Estomihi, 11. Februar 2018, Amos 5,21-24

Estomihi heißt „sei mir ein starker Fels“ aus Psalm 31, dem Psalm, aus dem Jesus am Kreuz betete.
Es ist der Sonntag vor der Passionszeit. Jesus hatte gesagt, was nötig war. Wie es die Propheten getan hatten. Amos war ein Prophet, der seinem Volk besonders deutlich ins Gewissen redete. So in Amos 5,21-24.
Amos kritisiert den Gottesdienst. Er wurde deshalb aus dem Land gejagt.
Gottesdienstkritik ist nicht üblich. Aber wie soll sich der Pfarrer ändern, wenn er nicht Kritik hört? – Und wie sollen sich die Gemeindeglieder ändern, wenn sie nicht gesagt bekommen, was sie ändern sollten! – „Ändern“ ist ein anderes Wort für „Buße tun“. Dazu ist die Bußzeit vor Ostern da. Wenn auch Martin Luther schrieb, dass jeder Tag ein Bußtag sein sollte.
Amos kritisiert: Gott will eure Opferfeste mit Essen, Trinken, Musik, Liedern nicht. Gott will Recht und Gerechtigkeit!
Die Reichen waren immer reicher geworden, kauften das Land, wenn jemand in Schulden geriet, kümmerten sich nicht um die Waisen und die Witwen. Verdienten am Handel und machten die Preise hoch. Macht und Geld regieren. Hilfe für Waisen und Witwen Privatsache!
Bei Ausgrabungen kann man sehen, wie in dieser Zeit größere Häuser gebaut wurden, aber daneben viele kleine. Vorher waren alle Häuser gleich klein.
Was würde ein Amos heute kritisieren? – Was fehlt in unsern Gottesdiensten? – in unserm Land?
Seht euch einander an: Wer fehlt? – Die Jüngeren. Warum? – Sie feiern an Fasnacht in Straßen und Hallen mit Essen, Trinken und Musik. Wie an Weihnachten oder Ostern viele nur mit gut Essen und Trinken und Schenken und Musik feiern. Ja, sie wollen Gemeinschaft erleben.
Das suchen alle Menschen. Das will Gott auch geben. Aber echte, wahre, rechte Gemeinschaft. Dazu sind die Gottesdienste da!
Gemeinschaft, Liebe, füreinander Dasein, Zuhören, Trösten, Ermutigen, Teilen und mitteilen, sich füreinander interessieren, Freude und Leid teilen. Wenn das im Gottesdienst fehlt, nützt auch die schönste Musik und geistreiche Rede nichts.
Ein viel besuchter Pfarrer in Südamerika soll an einem Sonntag die fertige Predigt liegen gelassen haben. Schwieg eine Weile und sagte dann „Liebet euch“. Und schwieg wieder. Und nochmal „Liebet euch“. Und nochmal so.
Und am nächsten Sonntag genauso. Da fingen auf einmal die Gemeindeglieder an, miteinander zu reden. Am Ende sollen einige Arbeitslose eine Arbeit gefunden haben. Einige alleinstehende Mütter eine Ersatzoma. Und einige Gemeindeglieder traten aus. Worüber man froh war.
Predigt, Kirchenmusik, Lieder, Kirchen, Lehre: in evangelischen Kirche alles in Ordnung? Aber an der Liebe unter den Gemeindegliedern fehlt es oft.
Nur an zwei Stellen im Neuen Testament wird von „Gottesdienst“ gesprochen: In Römer 12,1: Vernünftig ist Gottesdienst, wenn ihr euren Körper Gott zum Dienst bereit stellt, – also Hände, Füße, Kopf. Und Jakobus 1,21: Der „richtige“ Gottesdienst ist die Witwen und Waisen (heute vernachlässigte Kinder und Behinderte) besuchen und nicht jeden Quatsch mitmachen. Und dass Reiche und Arme im Gottesdienst zusammen feiern.
Helft Euch einander zu solchen Gottesdiensten!

Lesungen: 1. Korinther 13, 1-13: Die Liebe ist das Wichtigste und Bleibende!
Markus 8, 31-38: Kreuz tragen heißt das Leben gewinnen!

Gebetet wird in der kommenden Woche für die Menschen und Christen in Österreich, Lichtenstein, der Schweiz.


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